Tatort Erzgebirge: Dritter Weg Stützpunkt Westsachsen – Wie es der Neonazi-Partei gelungen ist, sich in der Region zu etablieren

Mit diesem Text beginnen wir eine besondere Tatortreihe. In den kommenden Wochen veröffentlichen wir Recherchen über Aktionen und Akteure des „Dritten Weg Westsachsen“. Ein Stützpunkt der Neonazi-Partei, die 2013 von ehemaligen NPD-Kadern und Angehörigen des Kameradschaftszusammenschlusses „Freies Netz Süd“ gegründet wurde, und dem es gelungen ist, innerhalb weniger Jahre in Westsachsen und im Erzgebirge Fuß zu fassen. Vollständige Recherche-Informationen zum Dritten Wieg in Westsachsen und im Erzgebirge findet ihr auf der Website guckemol.freepage.cc.

In der Region hat es der Dritte Weg geschafft, durch gezielte Ansprache von Jugendlichen und das Angebot verschiedener sozialer Freizeitangebote eine ganze Reihe junger Mitglieder zu gewinnen, die sich nach und nach radikalisieren. Besonders wirksam ist diese Strategie, neonazistische ideologische Inhalte mit Zugehörigkeit stiftenden Aktivitäten wie Wandern oder Kampfsport zu kombinieren und junge Menschen emotional an sich zu binden. Doch wie kam es so weit?

Chronologie

Der heutige „Stützpunkt Westsachsen“ vom Dritten Weg wurde Ende 2015 als „Stützpunkt Erzgebirge/Mittelland“ gegründet. Der damalige Stützpunktleiter Maik Arnold hatte gute Kontakte zu den NSU-Unterstützern Andre Emminger und Ralf Wohlleben und war vorher eine Führungsfigur der gewalttätigen verbotenen Kameradschaft „Nationale Sozialisten Chemnitz“. Der Stützpunkt verteilte Flyer oder veranstaltete jährliche Sonnenwendfeiern im Auer Ortsteil Alberoda. 2017 wurde der Stützpunkt aufgeteilt in Mittelsachsen und Westsachsen, das Erzgebirge zählt zu Letzterem. Heute ist der Stützpunkt Westsachsen zu einer festen Struktur mit eigener Jugendgruppe, der „Nationalrevolutionären Jugend“ (NRJ) angewachsen. Die Jugendstruktur wurde 2022 gegründet. Stützpunktleiter ist bereits seit einigen Jahren Manuel Ganser, der vor allem in Zwickau aktiv ist. Seit 2025 sind die Aktionen der Partei stark angestiegen.

Es gibt fast wöchentliche Aktionen, insgesamt wurden für das Jahr 2025 64 Aktionen vom Dritten Weg Westsachsen gezählt. Dazu zählen Flyerverteilaktionen, Jugendcamps, Schulhofansprachen, Parteistände, Kampfsporttrainings, Fußballturniere, Gedenkveranstaltungen, Demos, Graffiti-Sprühen oder Tierfutterspenden für Tierheime. Diese finden in der ganzen Region, von Zwickau über Schwarzenberg und Aue bis Schneeberg statt.

2026 ging das öffentlich sichtbare Aktionsniveau in Westsachsen und im Erzgebirge bislang zurück. Jedoch hat sich ein jederzeit abrufbares Potenzial radikalisierter und im Kampfsport trainierter junger Neonazis beim Dritten Weg organisiert, die die gewaltvolle Auseinandersetzung mit politischen Gegner:innen suchen. Ein Beispiel dafür ist die Bedrohung einer Mitarbeiterin der LINKEN 2025 in Aue, der ein vermummter Neonazi vom Dritten Weg auflauerte.

Der Dritte Weg hat sich in Westsachsen und im Erzgebirge festgesetzt. Durch die vielen jungen Mitglieder und Aktionen zählt der Stützpunkt Westsachsen zu den erfolgreichsten Stützpunkten der Partei bundesweit. Besonders gefährlich ist die Neonazi-Partei dort, weil sie viele Jugendliche an sich gebunden hat und zu gewaltbereiten Neonazis schult, die Gewalt auf der Straße einsetzen sollen. Hintergründe zu aktuellen Führungsfiguren zeigen wir im nächsten Post.

Dieser Beitrag wurde unter Aktionen, General, Naziwatch, Outings abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.