Vor etwa zwei Wochen hat Instagram unseren Account gelöscht. Mit über 12.000 Follower:innen war unser Instagram-Kanal ein sehr reichweitenstarker Account, auf dem wir regelmäßig Beiträge erstellten, um auf die zunehmende Gefahr von rechten bis neonazistischen Akteur:innen in Stadt, Region und bundesweit hinzuweisen. In diesem Text erfahrt ihr die Hintergründe und wie es weitergeht!
Ziel unserer antifaschistischen Arbeit ist es, Neonazis aus ihrer vermeintlichen rechten Wohlfühlatmosphäre herauszuholen, ihre rechten Taten zu dokumentieren und zu skandalisieren. Wir bemühen uns, unser Wissen über rechte Strukturen und gewaltbereite Neonazis zu teilen, um Transparenz zu schaffen, Öffentlichkeit zu generieren und so potenzielle Gewalttaten zu verhindern oder im Nachhinein aufzudecken. Dem zunehmenden Rechtsruck in unserer Gesellschaft und der damit verbundenen Sensibilisierung für rechte Gewalttaten möchten wir aktiv und präventiv entgegenwirken.
Dazu nutzten wir unter anderem das Medium Instagram von Meta, einem Aktienunternehmen aus den USA, das zu den beliebtesten Social Media Plattformen überhaupt gehört. Viele linke und linksradikale Gruppen nutzen Instagram, um ihre Inhalte schnell und in die heutige Zeit passend, stilvoll und in kleinen Happen (Slides, wenige Sekunden Reels) unter die Leute zu bringen. Auch mit dem Wissen, dass in den USA gerade die Demokratie Stück für Stück abgeschafft wird, kritische Medien zensiert oder auf Linie gebracht werden, Antifa als Terrororganisation eingestuft wird, queere und migrantische Menschen verfolgt und letztere in Lager interniert werden. Es ist wenig verwunderlich, dass Mark Zuckerberg, der Chef von Meta, seit der Machtübernahme Trumps Anfang 2025 immer näher an den Präsidenten und seine Inhalte gerückt ist und mittlerweile zu den finanziellen sowie politischen Unterstützern Trumps zählt.
Soziale Netzwerke fungieren als Antreiber für faschistische Gesellschaftsveränderungen, indem sie die Verbreitung von Angst, Falschinformationen und Hassrede erleichtern und es menschenfeindlichen Akteur:innen durch die algorithmische Belohnung von polarisierenden Inhalten einfacher machen, ihre Inhalte an breite Bevölkerungsschichten zu bringen. Rechte bis neonazistische Akteur:innen nutzen diese Plattformen also, um sich zu organisieren, zu radikalisieren, ihre Themen zu Mainstreamen und eine Informationshegemonie zu schaffen. Die US-Plattformen helfen ihnen in vorauseilendem Gehörsam gegenüber Trump aktuell dabei.
Instagram ist nicht neutral – es verfolgt eine Linie gegen Antifa
Instagram beziehungsweise Meta hat vor kurzem seine Richtlinien zum Umgang mit Begriffen wie „Antifa“ verschärft. Künftig stellt es einen potenziellen Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards dar, wenn der Begriff zusammen mit sogenannten inhaltsbezogenen Gefahrensignalen auftaucht. Nach Trumps zweitem Wahlsieg änderte Meta schnell seine Sprachregeln, sodass es nun nicht mehr als Richtlinienverstoß gilt, wenn Beleidigungen im Transgender-Kontext auftauchen oder Migrant:innen entmenschlicht werden. Die neuen Regeln des Umgangs damit, das Wort „Antifa“ auf Facebook oder Instagram zu verwenden, wurden inmitten der Bemühungen der Trump–Regierung eingeführt, unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit gegen linke politische Organisationen vorzugehen.1 Das ist nicht nur für den Rechtsruck in den USA von Bedeutung, sondern betrifft uns auch hier in Europa und spielt rechtsautoritären Parteien und Gruppen in die Hände. Zur selben Zeit als unser Instagram-Account entfernt wurde, wurden mindestens über 60 andere politische Accounts gelöscht, vermutlich weil sie gegen die neuen Richtlinien verstießen. Neue Änderungen wurden im Frühjahr 2026 im Kapitel der Richtlinie „Gewalt und Aufstachelung“ ergänzt, welche es ermöglicht, sämtliche antifaschistischen Inhalte als Verstoß gegen die Gemeinschaftsrichtlinien zu werten. Als mögliche Sanktionen nennt das Unternehmen die vollständige Kontosperrung oder das Unterdrücken beziehungsweise Verstecken einzelner Inhalte.
Instagram ist also kein neutrales Medium, und der Konzern geht Hand in Hand mit den Zielen Trumps: einer Faschisierung der Gesellschaft. Nicht zu unterschätzen ist außerdem die Gefahr, die von nationalen Repressionsbehörden und anderen Datensammlerinnen hier in Deutschland ausgeht. Die meisten linken Profile, die liken, kommentieren und Inhalte hochladen, sind für Repressionsbehörden klar identifizierbar. So können soziale und politische Zusammenhänge ausgespäht und besser kalkuliert werden. Hier der Hinweis an alle linken Aktivist:innen: Achtet auf einen sicheren, idealerweise anonymisierten und bewussten Umgang mit diesen Medienplattformen, wenn ihr sie überhaupt nutzen möchtet.
Warum trotzdem Instagram? Antifa in die Deutungshohheit!
Die Sperre unseres Accounts zeigt, wie abhängig wir von Unternehmen sind, die uns in ihren Richtlinien als „Feind“ markieren. Gleichzeitig ist unsere Gesellschaft so getrimmt, dass wir auf diese Plattformen angewiesen sind. Flyer, Infoveranstaltungen und Webseiten werden kaum noch von (jüngeren) linken Aktivist:innen genutzt. Die heutige Zeit verlangt nach einem All-in-One-Medium, und dieses kann Instagram unter Umständen mit seinen gefährlichen Algorithmen bieten. Geopolitische Ereignisse in Kurzform, die Live Rettung des Wals Timmy in der Ostsee, die kommende feministische Demo oder der geoutete Neonazi in der Nachbarschaft, all das wird über Instagram in Sekundenschnelle zugänglich.
Trotz der negativen Firmenpolitik von Meta werden wir erneut einen Instagram-Account erstellen. Einerseits, um rechten Inhalten und Hetze etwas entgegenzusetzen und weiterhin die große Öffentlichkeit zu nutzen, die dieses fragwürdige Medium genießt. Seit unserer Gründung im letzten Jahr war es uns enorm wichtig, über rechte Gewalttäter:innen zu informieren, rechte Straftaten aufzudecken und einzuordnen sowie über neonazistische Jugendorganisationen und das Zusammenspiel organisierter Faschist:innen, sei es in der AfD oder in anderen rechten Gruppierungen, aufzuklären. Wir möchten den Diskurs in der Szene mitführen, ihn stärken und für gesellschaftlich marginalisierte und diskriminierte Menschen in unserer Gesellschaft einstehen. Der Faschismus in all seinen Auswüchsen ist aus unserer Sicht der aktuell größte Hauptfeind, und über dessen Protagonist:innen und ihre Arbeit, die Gesellschaft nach rechts zu rücken, müssen wir berichten. Wir brauchen die Reichweite dieser Plattformen, um gesellschaftliche Missstände zu benennen und zu bekämpfen.
Teilt diesen Beitrag auf euren Kanälen und tauscht euch mit euren Freund:innen und Gefährt:innen über euer Nutzungsverhalten in der digitalen Welt aus. Plant antifaschistische Aktionen gegen den weltweiten Rechtsruck.
Wir sehen uns bald wieder auf Instagram. Bis dahin besucht unsere Website für Infos oder Kontakt oder unseren YouTube Kanal für tollen Videocontent.
Eure Antifa Elbflorenz!