Lutz Giesen – Wer ist der Anmelder des Nazi-Aufmarsches am 14. Februar in Dresden

Der alljährliche Dresdner Neonazi-Aufmarsch rund um den 13. Februar, dessen Zweck das geschichtsrevisionistische Gedenken der Neonazis an die deutschen Opfer der Bombardierung der Stadt im 2. Weltkrieg ist, wird seit 2022 von Lutz Giesen angemeldet. Der Anfang 50-Jährige Neonazi löste damit den langjährigen Anmelder Maik Müller, ehem. NPD-Kreischef Dresdens, ab.Giesen ist in Berlin aufgewachsen und seit seiner Jugend gewaltbereiter und ideologisch gefestigter Neonazi. Er war als Gründungsmitlglied der Kameradschaft „Germania“ eine der führenden Figuren der ostdeutschen Kameradschaftsszene in den späten 1990er-Jahren und fiel durch verschiedene Gewaltdelikte wie einen Überfall auf polnische Punks im Jahr 1999 auf. In dieser Zeit sammelte er 15 Vorstrafen.

Giesen zog Anfang der 2000er-Jahre nach Mecklenburg-Vorpommern, wo er sich einerseits der völkischen Siedlerbeweung annäherte und Führungskader der mittlerweile verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ) wurde. Andererseits wurde er Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion und blieb als Redner auf diversen bundesweiten Neonazi-Demos eine zentrale Figur der Szene.

Nachdem Giesen 2011 nach 22 Vorstrafen (Körperverletzung, Volksverhetzung etc.) eine 5-monate Haftstrafe absitzen musste, verabschiedete er sich vom offen gewalttätigen Neonazismus. Stattdessen tourte er als überzeugter nationalsozialistischer Redner, der sich in einem „Schulungsbrief“ offen zu Hitler bekannte, u. a. für die Neonazi-Partei Dritter Weg, an deren Demonstration er auch teilnahm, durch die Republik.

Zu Beginn der Corona-Pandemie zog Giesen, der Verbindungen in die NSU-Unterstützer-Szene hatte, wie mehrere westdeutsche Neonazis nach Sachsen. Er kaufte sich einen Hof im Ortsteil Naunhof de rmittelsächsischen Kleinstadt Leisnig. Dort lebte er mit seiner Frau und seinen mind. 4 Kindern und ist mit anderen aus der Völkischen Siedler Bewegung wie Christian Fischer politisch in der Umgebung aktiv.

In Leisnig wandte er sich der typischen Strategie völkischer Siedler im ländlichen Raum zu: Er engagierte sich zunächst unpolitisch im Ort, bevor er mit Fischer zum Anführer der lokalen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen wurde. Sie etablierten eigens das Protal „Leisnig.info“, auf dem sie „alternative“ Nachrichten aus der Region präsentieren. So wurde Leisnig zu einem Hotspot völkischer Besiedlung.

Während der Corona-Zeit begann Giesen sich bei den Freien Sachsen zu engagieren und schaffte es, für die 2021 gegründete Neonazi-Partei in den Kreistag von Mittelsachsen gewählt zu werden. Gemeinsam mit Christian Fischer, der für die Freien Sachsen im Stadtrat von Leisnig sitzt, versuchen sie sich nun in neonazistischer Kommunalpolitik, indem sie etwa gegen die Förderung von Demokratieprojekten hetzen.

Berufluch ist Giesen als selbständiger Anlagenmonteur tätig. Gemeinsam mit seiner Frau Stefanie betreibt er die Firma „schrankenwart.de“, die Schranken und andere Sicherheitsanlagen auch für öffentliche Auftraggeber baut. Eines seiner Referenzfotos zeigt Schranken auf einer öffentlichen Straße auf Rügen, wo man scheinbar kein Problem damit hatte, einen Neonazi zu beauftragen. Als Firmensitz ist die Naunhof 18 UG im Impressum genannt, die auf die Privatadresse der Familie Giesen im Ortsteil Naunhof der Stadt Leinig anspielt. Auf diese Adresse läuft auch das Impressum der Website des Nazi-Aufmarsches am 14. Februar.

Beim Dresdner Nazi-Aufmarsch ist Giesen seit vielen Jahren regelmäßiger Gast. Als Anmelder hat er seine Rolle als wichtiger Akteur der bundesweitern Neonazi-Szene gestärkt. So wundert es nicht, dass ausgerechnet ein glühender Anhänger des Nationalsozialismus und lange militanter Neonazi heute einen der letzten großen Neonazi-Aufmärsche Deutschlands hauptverantwortlich initiiert.

 

Dieser Beitrag wurde unter Aktionen, General, Naziwatch, Outings abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.